“Etwa zwei Mio. e-Rechnungen wurden 2020 über eRechnung.gv.at eingebracht.”

- Gottfried Kalckstein (BRZ), über die Rolle des Bundesrechenzentrums bei der Abwicklung von E-Rechnungen im B2G Bereich in Österreich

Gottfried Kalckstein

Product Management e-Rechnung Clearing Service Bundesrechenzentrum GmbH

1. Was ist das Bundesrechenzentrum und was ist Ihre Aufgabe bezüglich e-Rechnungen?

Das BRZ ist der führende IT-Service Provider im Public Sector in Österreich. Als E-Government-Partner der österreichischen Bundesverwaltung entwickelt und betreibt es zentrale IT-Lösungen der öffentlichen Hand, wie z.B. FinanzOnline, das Unternehmensserviceportal, Grund- und Firmenbuch, die Schulbuchaktion Online, Anwendungen zum Steuern- und Abgabenmanagement, e-Zoll, österreich.gv.at oder eRechnung.gv.at. Dabei kommen immer stärker innovative Technologien wie Big Data, Artificial Intelligence, Blockchain oder Robotics zum Einsatz.

Das BRZ, eine Gesellschaft im Eigentum der Republik Österreich, betreibt diese Lösungen in einem der größten Rechenzentren des Landes und erfüllt dabei höchste Anforderungen in den Bereichen Betriebsstabilität, Datenschutz und Datensicherheit.

Wichtig ist eine hohe Datensicherheit auch für den Rechnungsverkehr. Bundesbehörden aber auch Bundesländer, die ÖBB, AMS, ASFINAG, Sozialversicherung und andere erhalten ihre elektronischen Rechnungen über e-Rechnung.gv.at, einem Service des Bundes. Dabei prüft das BRZ automationsunterstützt formell die eingehenden e-Rechnungen und leitet sie an den jeweiligen Empfänger weiter. Erst bei Vorliegen der formalen Fehlerfreiheit erfolgt die Übernahme durch die Rechnungsempfänger und die e-Rechnung gilt als ordnungsgemäß eingebracht.

2. Aus welchem Grund gibt es das Service e-Rechnungen im BRZ?

Das IKT-Konsolidierungsgesetz sieht die verpflichtende Übermittlung von e-Rechnungen im Waren- und Dienstleistungsverkehr an den Bund seit 2013 vor. Das BMF hat dazu das BRZ für die Entwicklung und den Betrieb beauftragt.

3. Wie hoch ist das Aufkommen von e-Rechnungen in der österreichischen Bundesverwaltung?

Etwa zwei Mio. e-Rechnungen wurden 2020 über eRechnung.gv.at eingebracht, jährlich werden es mehr. Abgesehen vom Bund ist das Aufkommen elektronischer Rechnung sehr unterschiedlich, bestimmt durch die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Rechnungsempfänger, sowie deren Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Digitalisierung auch bei Prozessen der Rechnungslegung immer stärker durchsetzen wird.

4. Warum sind in Österreich e-Rechnungen im B2G Bereich stärker als im B2B verbreitet?

Die EU-Richtlinie 2014/55/EU verpflichtet alle Stellen der öffentlichen Verwaltung aller Mitgliedsländer seit dem 18. April 2019, e-Rechnungen unter speziellen Bedingungen zu akzeptieren. Mit der Bereitstellung des Verfahrens der Bundeslösung auch für andere Rechnungsempfänger sind die technischen Voraussetzungen zur raschen und einfachen Umsetzung dieser EU-Richtlinie bereits jetzt gegeben. Diese europäischen oder auch nationale Rechtsvorschriften umfassen jedoch keine Verpflichtung für e-Rechnungen im B2B Sektor. Deren Entwicklung ist durch die technischen und wirtschaftlichen Vorteile und Bedingungen der Digitalisierung im Unternehmen bestimmt und getrieben.

5. Was kann das BRZ tun, um die Annahme von e-Rechnungen voranzutreiben?

Das BRZ arbeitet nur im Rahmen seiner Beauftragungen des BMF für den Bund, sowie seiner anderen Kunden als Rechnungsempfänger. Außerdem arbeitet es mit der BBG, WKO und AUSTRIAPRO, einem Verein zur Förderung standardkonformer E-Business Lösungen zusammen, um österreichische eRechnung-Standards über den B2G Bereich hinaus zu unterstützen.